16.04.2014  >>  THE ECONOMIST

China-Special-Report im neuen Economist:

Das Wirtschaftsmagazin The Economist veröffentlicht in seiner kommenden Ausgabe einen Special Report über China

London, 16. April 2014 – Das Wirtschaftsmagazin The Economist veröffentlicht in seiner am Freitag (EVT 18.04.14) erscheinenden Ausgabe einen Special Report zur aktuellen Situation in China. Schnelle Urbanisierung und steigender Wohlstand stellen China vor Herausforderungen. Bis zum Jahr 2030 werden rund eine Milliarde Chinesen, das sind 70 Prozent der Bevölkerung, in Städten leben. Für die wirtschaftliche und politische Zukunft des Landes ist es entscheidend, die Funktionsfähigkeit dieses urbanen Chinas zu verbessern, argumentiert The Economist in seiner China-Sonderbeilage „Building the Dream“.

Seit Beginn der wirtschaftlichen Liberalisierung in den späten 1970er Jahren wuchsen Chinas Städte um mehr als 500 Millionen Menschen; das entspricht der Bevölkerung der USA plus drei Vereinigten Königreichen. 2011 lebten schon mehr als die Hälfte aller Chinesen im urbanen Raum. Und die Migration vom Land in die Städte schreitet mit einer Rate von etwa 13 Millionen Menschen pro Jahr voran. Während China bei der Bewältigung dieser massiven Umwälzungen viel erreicht hat, liegt nichtsdestotrotz noch ein langer Weg vor dem Land.

„Zur Marco Polos Zeiten waren es die kunstvollen Paläste, die gepflasterten Straßen und akribisch geplante Gestaltung der chinesischen Städte, die ihre Besucher zum Staunen brachten. In den heutigen Megastädten Chinas sind es einige der weltweit höchsten Wolkenkratzer und größten Shopping Malls, miteinander verbunden durch das längste Hochgeschwindigkeitszug-Netzwerk der Welt", schreibt The Economist in seinem Special Report.

Chinas Präsident Xi Jinping lancierte sein Schlagwort des „chinesischen Traums", als er 2012 KP-Chef wurde und der Absicht folgte, sozial aufsteigenden Städtern, die den Komfort der reichen Welt anstreben, zu gefallen.

Doch, so sagt The Economist, umfassende Reformen sind eine dringende Voraussetzung, damit der Traum Wirklichkeit werden kann. Der Präsident muss Bauern die gleichen Eigentumsrechte einräumen wie der Stadtbevölkerung. Er muss die chaotischen Gemeindefinanzen in den Griff bekommen, die hochgradig abhängig davon sind, den Bauern Land wegzunehmen und es an Projektierer zu verkaufen. Und er muss den eisernen Griff der Staatsunternehmen auf die Wirtschaft lösen. Er muss auch schnelle Maßnahmen zur Sanierung der städtischen Umwelt ergreifen, insbesondere mit Blick auf die schädliche Luft, und verhindern, dass das Wachstum von Chinas Städten den Klimawandel verschärft.

Ein weiteres sich abzeichnendes Problem ist die wachsende Unterschicht ländlicher Migranten in Städten, die einen weit niedrigeren Status und weniger Rechte als andere Stadtbewohner haben. „Die harsche Behandlung der chinesischen Binnenmigranten schafft riesige soziale Spaltungen, die sich zu schweren Unruhen auswachsen können", so The Economist.

Das Special fasst die Herausforderungen Chinas folgendermaßen zusammen: „Das Wachstum verlangsamt sich. Verschwenderische Ausgaben der Lokalbehörden haben riesige Schuldenberge entstehen lassen. Immer mehr Chinesen der Mittelschicht suchen für sich selbst, ihre Familien und ihr Vermögen nach Schlupflöchern im Ausland. Skandale um hochrangige Beamte offenbaren Korruption in gigantischem Ausmaß.“

Aber während die Besorgnis um staatliche Kreditaufnahmen von Kommunen, Banken und Treuhandfirmen berechtigt ist, ist eine finanzielle Kernschmelze unwahrscheinlich. Die Zentralregierung würde es niemals zulassen, dass eine Gemeindeverwaltung mit ihren Zahlungen in Verzug gerät. Die gesamten Staatsschulden belaufen sich auf schätzungsweise 70-80 Prozent des chinesischen BIP – weit unter dem Niveau vieler Länder in der reichen Welt, die geringere Wachstumsraten aufweisen.

Chinas Führung hat sich zum Ziel gesetzt, das Land bis 2020 „moderat wohlhabend" zu machen. Ein Urteil darüber wird noch gefällt, während Präsident Xi im Amt ist. „Solange Chinas BIP jährlich um sieben Prozent wächst, wird es für den Präsidenten nicht schwer sein, die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen“, schreibt The Economist. „Aber die Partei hat auch gesagt, dass ‚moderat wohlhabend‘ ein demokratischeres China einschließt, ein China, dass die Menschenrechte respektiert. Bei Nichtachtung dieser Aspekte würde die Führung riskieren, genau die Klientel nachhaltig gegen sich aufzubringen, die für den Rückhalt der Parteimacht entscheidend ist: die städtische Mittelschicht. Xi könnte dies nur auf eigene Gefahr tun."

 

The Economist:
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