03.11.2015  >>  THE ECONOMIST

Gesetzesentwürfe zur Suizid-Beihilfe im Bundestag: The Economist unterstützt ärztlich begleitete Sterbehilfe

Repräsentative Economist-Umfrage: 75 Prozent der befragten Deutschen sind dafür, dass ärztlich begleitete Sterbehilfe für unheilbar kranke Erwachsene mit geistiger Zurechnungsfähigkeit erlaubt wird
Im Gegensatz zu allen anderen befragten Nationalitäten unterstützen die Deutschen die Legalisierung ärztlich begleiteter Sterbehilfe insbesondere, wenn der Patient die tödlichen Medikamente selber einnehmen muss und sie nicht vom Arzt verabreicht bekommt
Russland und Polen waren die einzigen beiden Länder, in denen weniger als 50 Prozent aller Befragten Sterbehilfe befürworten
60 Prozent der Deutschen unterstützen ärztlich begleitete Sterbehilfe für Erwachsene, die an nicht tödlich verlaufenden Krankheiten leiden
Um die Öffentlichkeit zu ermutigen, über das Recht auf Sterbehilfe zu diskutieren, strahlt The Economist am 3. und am 4. November in der Humboldt Box in Berlin einen Videospot aus, der Berliner fragt: „Können Sie sich vorstellen, ein solches Leben zu leben?"

  • Repräsentative Economist-Umfrage: 75 Prozent der befragten Deutschen sind dafür, dass ärztlich begleitete Sterbehilfe für unheilbar kranke Erwachsene mit geistiger Zurechnungsfähigkeit erlaubt wird
  • Im Gegensatz zu allen anderen befragten Nationalitäten unterstützen die Deutschen die Legalisierung ärztlich begleiteter Sterbehilfe insbesondere, wenn der Patient die tödlichen Medikamente selber einnehmen muss und sie nicht vom Arzt verabreicht bekommt
  • Russland und Polen waren die einzigen beiden Länder, in denen weniger als 50 Prozent aller Befragten Sterbehilfe befürworten
  • 60 Prozent der Deutschen unterstützen ärztlich begleitete Sterbehilfe für Erwachsene, die an nicht tödlich verlaufenden Krankheiten leiden
  • Um die Öffentlichkeit zu ermutigen, über das Recht auf Sterbehilfe zu diskutieren, strahlt The Economist am 3. und am 4. November in der Humboldt Box in Berlin einen Videospot aus, der Berliner fragt: „Können Sie sich vorstellen, ein solches Leben zu leben?"

 

London / Hamburg, 03. November 2015 – Der Bundestag entscheidet diese Woche über vier Gesetzesentwürfe zur Sterbehilfe. Sie reichen von einem umfänglichen Verbot der Sterbehilfe bis zu einer weitgehenden gesetzlichen Freigabe der ärztlich assistierten Selbsttötung. The Economist unterstützt die Legalisierung der ärztlich begleiteten Sterbehilfe in Deutschland.

Das internationale Wochenmagazin hat in der Wirtschaft, Politik oder im sozialen Bereich liberale Werte verteidigt, seit es 1843 gegründet wurde. Im September 1994 positionierte sich The Economist mit seiner Titelgeschichte "The Right to Die" erstmals im Sinne des Rechts jedes Einzelnen in Würde zu sterben.

The Economist ist der Ansicht, dass es die Aufgabe des Staates sein sollte, mit einer ärztlich begleiteten Sterbehilfe klare Richtlinien und Schutzmaßnahmen für die Schwachen der Gesellschaft einzuführen. Das internationale Wirtschaftsmagazin setzt sich dementsprechend dafür ein, dass ärztlich begleitete Sterbehilfe auch für nicht tödlich verlaufende Krankheiten und psychische Leiden erlaubt würde, sofern es dem festen Willen der Patienten entspricht und sie erwiesenermaßen zurechnungsfähig sind. Für Krankheiten, die chronisch aber nicht tödlich sind, und insbesondere für solche, die psychische Leiden verursachen, sollte eine obligatorische Beratung über Alternativen und eine lange Bedenkzeit Pflicht sein. Aber am Ende des Tages sollte jeder Einzelne selber entscheiden können, ob Schmerz, Behinderung, psychische Leiden oder andere Faktoren in der Summe den festen Wunsch zu sterben nach sich ziehen; niemand sonst kann diese persönliche Entscheidung treffen.

The Economist würde das Recht auf ärztlich begleitete Sterbehilfe auch auf unheilbar kranke Kinder während ihrer letzten Tage ausweiten. Auch Kinder leiden an schweren Krankheiten und sie müssen, gemeinsam mit ihren Ärzten und Eltern, schon sehr schwierige Entscheidungen treffen, beispielsweise über den Abbruch von Behandlungen. Warum sollte ihnen die Erlösung verweigert werden, die Erwachsenen gewährt wird? The Economist würde Kindern eine ärztlich begleitete Sterbehilfe aber nicht bei chronischen Krankheiten, die nicht tödlich sind, erlauben: Kinder sind nicht reif genug, um zu entscheiden, was sie in Zukunft bewältigen können.

Zanny Minton Beddoes, Chefredakteurin von The Economist: „Für The Economist sind die persönliche Entscheidung und die individuelle Autonomie die Hauptgründe, um ärztlich begleitete Sterbehilfe zu erlauben. Unsere liberalen Werte und die Achtung der Menschenwürde bedeuten für unser Magazin, dass es sich lohnt, für ärztlich begleitete Sterbehilfe einzutreten."

Im Juni 2015 befragten The Economist und Ipsos MORI Männer und Frauen in 15 Ländern zu ihrer Einstellung gegenüber ärztlich begleiteter Sterbehilfe. In Deutschland sprachen sich 75 Prozent aller Befragten für die ärztlich begleitete Sterbehilfe für unheilbar kranke, zurechnungsfähige Erwachsene aus. Interessanterweise ist die Zustimmung in Deutschland geringer als in den katholischen Ländern Frankreich und Spanien. Nur in Deutschland sprachen sich mehr Befragte dafür aus, dass Patienten die tödlichen Medikamente selber einnehmen müssen (begleiteter Suizid -Zustimmungsrate: 64 Prozent), anstatt die Medikamente von einem Arzt verabreicht zu bekommen (freiwillige Euthanasie - Zustimmungsrate: 55 Prozent). In allen anderen Ländern wider spiegelt die Umfrage eine höhere Unterstützung für eine von Ärzten verabreichte Medikamentendosis. Sechs von zehn Deutschen unterstützen das Recht auf ärztlich begleitete Sterbehilfe für Patienten, die an nicht tödlichen Erkrankungen leiden; eine Mehrheit in den meisten untersuchten Ländern unterstützt das. Die Unterstützung für die Ausweitung dieses Rechts auf Patienten mit unerträglichen psychischen Erkrankungen fällt mit 32 Prozent weit geringer aus. Nur in Belgien und in den Niederlanden spricht sich eine Mehrheit zugunsten der Sterbehilfe für Patienten mit psychischen Erkrankungen aus. Beide Länder verfügen bereits über Gesetze, die dies erlauben.

Um die Öffentlichkeit zu ermutigen, über das Recht auf Sterbehilfe zu diskutieren, strahlt

The Economist am 3. und am 4. November in der Humboldt Box in Berlin einen Videospot aus, der Berliner fragt: „Können Sie sich vorstellen, ein solches Leben zu leben?". Das Video zeigt eine Krankenhausraumdecke, die sich kaum verändert. Es versucht so darzustellen, was es bedeutet, tagein tagaus ohne Aussicht auf Besserung in einem Krankenhaus zu leben.

The Economist plante ursprünglich, das Video auf 3.768 Bildschirmen in 1.106 Waggons in neun Berliner U-Bahnlinien zu zeigen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lehnten die Ausstrahlung des Videos jedoch mit der Begründung ab, dass es zu kontrovers sei.

Über The Economist (www.economist.com):
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